Forderung nach Absenkung des Wahlalters

Veröffentlicht am 21.05.2019

Bei den vergangenen U18 Wahlen (Europawahl und Landtagswahl) war die Wahlbeteiligung so hoch wie noch nie. Dies beweist, dass Kinder und Jugendliche durchaus wählen würden, wenn sie dürften. Der Stadtjugendring Bayreuth unterstützt daher, wie viele andere Bewegungen aktuell, die Forderung nach einer Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre.

Jugendarbeit und der Stadtjugendring Bayreuth speziell, setzt sich zwar für die Beteiligung Jugendlicher auf allen Ebenen ein und macht Interessenpolitik für junge Menschen, aber die Politik nimmt die Interessen von Jugendlichen nur dann wirklich wahr, wenn sie selbst ihre Stimme in die Waagschale werfen können. Deshalb fordern wir alle Akteure in der Politik auf, sich mit dem Thema Wahlalterabsenkung auseinanderzusetzen.

Ein häufig vorgebrachter Einwand gegen das Wahlrecht mit 16 Jahren ist, dass Jugendliche zu wenig informiert und zu leicht manipulierbar wären, um kompetent wählen zu können. Verschiedenste Statistiken widerlegen jedoch dies Annahme: Wer wählen darf, beschäftigt sich mehr mit und informiert sich intensiver über Politik als nicht Wahlberechtigt. Gerade junge Menschen haben noch diese Energie und einen Idealismus, der sie aufbegehren oder kämpfen lässt. Eine Haltung, die eine Demokratie zum Überleben braucht. Und sich in der Stimmenabgabe wiederfinden sollt (vgl. Milena Feingold, Veröffentlichung des Kinderhilfswerks Deutschlands)

Viele Jugendliche gehen bereits mit 15 oder 16 Jahren von der Schule ab und beginnen eine Ausbildung oder starten ins Berufsleben. In all diesen Beispielen wird ihnen eine verantwortungsvolle Tätigkeit zugetraut, ihnen wird darüber hinaus in vielen Fällen die Entscheidung über ihre eigene berufliche Zukunft verantwortet und sie zahlen Steuern und Sozialabgaben. Warum also, werden hier Jugendliche als eigenständige Rechtspersonen gesehen, ihnen aber auf der anderen Seite das Recht an der Beteiligung an politischen Wahlen aberkannt. Vielmehr werden sie durch eine Beteiligung frühzeitig und dauerhaft eine gemeinschaftsfähige Haltung entwickeln. In einer von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführten Befragung unter 16.000 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren waren fast 70% der Meinung, dass junge Menschen in der Politik mehr zu sagen haben sollten. Die Studie kommt überdies zu dem Schluss, dass zivilgesellschaftliche Partizipation vor allem vom Qualifikationsempfinden, d.h. Zutrauen in die eigene Person, sowie der Partizipationserfahrung abhängen (vgl. Bertelsmann-Stiftung: Jugend und die Zukunft der Welt. Gütersloh 2009). Wer also früh ernst genommen wird und Erfahrungen mit der Demokratie sammeln kann, wird sich auch später tendenziell mehr beteiligen. Eine angeblich hohe „Politikverdrossenheit“ Jugendlicher ist empirisch nicht zu belegen. Vielmehr verspüren viele junge Menschen einen massiven Vertrauensverlust in die politischen Institutionen und erleben „Politik“ als unnahbar und entfremdet. (Wolfgang Gründinger, Veröffentlichung des Kinderhilfswerks Deutschlands)

Wir als Stadtjugendring fordern eindringlich, Jugendliche und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Hierzu ist ein wichtiger Schritt, die Absenkung des Wahlalters. Durch ein Wahlrecht für Jugendliche wird ein stärkerer generationsübergreifender Interessenausgleich gefördert und Politikerinnen und Politiker sind gezwungen sich stärkere mit „Jugendthemen“ auseinanderzusetzen.

Nancy Kamprad (Vorsitzende SJR) & Stefan Greißinger (Geschäftsführer SJR) mit der Vorstandschaft des Stadtjugendrings